jeudi 17 juillet 2014

Zubisse Nr. 146-Vamos a la Playa…von Gaza!

Übersetzt von Michèle Mialane, Tlaxcala

Es sei nun einmal gesagt: die Einzige Demokratie im Mittelosten finden wir zum Kotzen, und das schon lange. Dieses gräuliche Geschwür mitten auf der Brust der arabischen Welt ist das abscheulichste Glanzstück unter den Geschenkpaketen, die das demokratische Abendland dem rückständigen Morgenland böig zugesandt hat, und das seit über zweihundert Jahren, als der reitende Kleine Korporal Napoleon im Innenhof der Al-Azhar-Moschee ein Exemplar des Korans mit den Hufen seines Pferdes trat. Die PalästinenserInnen bezahlen nun seit 67 Jahren für ein Verbrechen, an dem sie keine Schuld tragen. Vielleicht geriet der Große Mufti von Jerusalem in die Versuchung, mit Hitler eine Allianz einzugehen, um das perfide Albion und dessen zionistische Handlanger zu bekämpfen, aber soweit bekannt hat er keineswegs zum Holocaust der europäischen Juden beigetragen.
Einmal wurde ein israelischer Soldat gefragt, der an einem jener berüchtigten Checkpoints Wache hielt, wie er denn einen Juden von einem Araber unterscheiden konnte: „Ganz einfach“, war die Antwort, “Palästinenser blicken einen an, als wären sie verfolgte Juden.“

Die Geschichte des jüdischen Staates ist die einer langen „Nacht- und Nebeloperation“, der eine ewige Dauer zuteil geworden scheint. Aber alles hat ein Ende, auch die Empires und ihre Geschwüre. Und nun zum laufenden Kapitel dieser Operation.
Es hat sieben Tage und Nächte, 180 palästinensische Tote, über 500 zionistische Abwehrmissile zu 100 000 Dollar pro Stück gegen Raketen aus Gaza und vor allem das Ende des Fußball-Weltpokals gebraucht, bis „die Welt“ allmählich reagiert - unten und oben. Und die Reaktionen sind doch zumindest seltsam.
Zuerst oben: Pokalsieger ist - Ehre, wem Ehre gebührt - Präsident François Hollande, am Tag nach der hoch kriegstreiberischen 14.-Juli-Gedenkfeier, die wenig zu tun hatte mit den Sansculottes und den Frauen aus den Vororten im Jahre 1789. „Ich will hier nicht meinen“- so Hollande - „dass man pro-israelisch oder pro-palästinensisch ist. (...) Denn im Nahen Osten ist die Situation explosiv. Der israelisch-palästinensische Konflikt soll nicht nach Frankreich importiert werden. Es darf zu keinerlei Entgleisungen und Ausschweifungen kommen, zu keinem Eindringen oder Willen zum Eindringen in die Kultusstätten, ganz gleich ob Synagogen wie gestern (Sonntag den 13. Juli) , oder Moscheen, Kirchen oder Tempel(...) Man darf nicht zum Antisemitismus greifen, bloß, weil es einen israelisch-palästinensischen Konflikt gibt(...) Frankreich will einen palästinensischen und daneben einen israelischen Staat. Das war immer unsere Stellung, und daran wird sich nichts ändern.“   (Interview vom 14. Juli 2014) Wir achten unsere LeserInnen viel zu hoch, dass wir solch erbärmliche Worte auslegen würden. Sie sind keinen Kommentar wert. Nur ein albernes Nachplappern des Einmaleins, das bei den Hauptaktionären der Weltbank und deren frommen Jasager von Washington bis nach Stockholm gängig ist.
Ungefähr zur gleichen Zeit hat im holden Frankreich die Gendarmerie von Artix im Département der Pyrénées-Atlantiques von einer Brücke ein weißes Tuch weggeholt, das die schwarze Inschrift “ Israël assassin (Israel mordet)“ trug. Die Täter werden gesucht. Wenn man sie entdeckt, was dann aber? Werden sie angeklagt? Welchen Deliktes bitte? Vielleicht des Antisemitismus? Man wäre versucht, sich darüber totzulachen, wenn die Dinge nicht so ernst lägen, und das weltweit.
Unten sieht es gelinde gesagt paradox aus: obwohl die Durchschnittsbürger in Europa, Latein- und Nordamerika und rings ums Mittelmeer meist dem aggressiven Zionismus mehr denn je angeekelt zusehen, scheint es den Solidaritätsbewegungen mit dem palästinensischen Volke wie dem Schnee vom vergangenen Jahr zugegangen zu sein. Das hängt sicher mit der allgemeinen Krise des veralteten Aktivismus vom 20. Jahrhundert zusammen. Aber es gibt noch andere, präzisere Gründe. Für die Zionisten sollte die Ermordung zehn unbewaffneter türkischer Aktivisten an Bord der Mavi Marmara als warnendes Beispiel fungieren und es ist auch der Fall gewesen. Das hat ganz einfach all jene terrorisiert, die versucht gewesen wären, materiell zu helfen, konkrete Solidarität auszuüben und sich unbewaffnet ins Konfliktgebiet zu begeben. Wo bleiben denn die Gaza-Flottillen? Andererseits wirkt sich die von den zionistischen Führern massiv angewandte erpresserische Anschuldigung des Antisemitismus recht ernüchternd auf viele Eiferer der palästinensischen Sache aus. Und dann sind die Solidaritätsbewegungen in vielen Ländern unter die Vorherrschaft jener seltsamen Figuren der „antizionistischen Juden“ geraten. Mit wenigen Worten: es sieht so aus, als dürften nur Juden oder deren Eiferer den jüdischen Staat - und zwar nur gemäßigt - kritisieren. Wir für unser Teil unterstützen die Palästinenser nur, weil man ihnen ihre natürlichen Rechte abspricht - nicht, weil sie Moslems, Christen oder Araber sind. Und nicht, weil Israel ein jüdischer Saat ist, stehen wir ihm feindselig gegenüber, sondern weil dieses Land die Kriterien eines Rechstaates keineswegs erfüllt. Würden die Palästinenser Juden sein und Israel ein buddhistischer Staat, der sie in gleicher Weise behandeln würde, würde unsere Stellung die gleiche sein.
Und nun überlegen wir uns ein bisschen die Vorkommnisse, die eben aufeinander gefolgt sind.
Eines Nachts verlassen drei Jugendliche eine Diskothek und werden vermisst. So was passiert jeden Samstagabend überall weltweit. Fielen sie Hasch- oder Crackdealern zu Opfer, bei denen sie eine Rechnung nicht beglichen hatten? Oder auf junges Fleisch hungrigen Sittenstrolchen? Oder einer russischen, georgischen oder drusischen Ganovenbande? Die Frage ist, dass die Jugendlichen nicht nur Juden, sondern auch Israelis sind und Kinder von Familien, die auf fremdem Boden illegal wohnen. Und wie viele Kinder von Siedlern studieren sie auf einer Jeschiwa, also auf einer konfessionellen Schule, vermutlich weil es im Fleck, wo sie illegal wohnen, keine andere gibt. Womöglich sind sie nicht „religiöser“ eingestellt als Wolfowitz’ Halbstrümpfe.   Und sofort startet die Propagandamaschine los: „Drei Studenten einer Jeschiwa in der Westbank entführt.“ Selbstverständlich müssen die Kidnapper Palästinenser sein. Es heißt, dass ihre Leichen einige Tag später aufgefunden wurden. Für die Gangster, die den jüdischen Staat regieren, steht es außer Zweifel, dass die horrende Tat nur vom Hamas begangen worden sein kann! Sagt man es Euch, so stimmt’s auch, weiter gehen, da gibt’s nicht zu sehen. In 60 Jahren bewaffneten palästinensischen Widerstandes haben sich jedoch die Gruppen, aus denen er bestanden hat, stets zu ihren Taten bekannt. Warum diesmal keine? Welchen Vorteil konnte sich der Hamas, deren Mitglieder sämtlich über ein Gehirn verfügen, vom Mord dreier Kinder erhoffen, gerade zur Zeit, wo er sich in einer heiklen Phase befindet, indem er versucht, sich mit dem kläglichen Fatah von Mahmud Abbas zu versöhnen, um bei immer unvorstellbar werdenden Verhandlungen eine gemeinsame Front zu bieten? Wobei Netanjahu laut herausposaunt, dass seine Verteidigungslinie gegen den islamischen Staat zieht sich am Jordan entlang? Es steht jedem/r frei, diese oder jene Meinung vom Hamas zu haben - nur darf man nicht annehmen, dass er aus lauter Doofen besteht.
Der jüdische Staat - eine denkbar gräuliche Vokabel, aber sie wird eben von dessen Operatoren gebraucht - wird in der neuen Schlacht zu Gaza den Kürzeren ziehen, wie 2006 in Libanon. Wenn er sein unheilvolles System beharrlich weiter betreibt und somit darauf verzichtet, die Menschen zu retten, über die er herrscht, wird er sich den Kopf gegen die selbst erbaute Mauer samt „Eisenkuppel“ zerschlagen.
Und zum Schluss ein jüdischer Witz, der in Tel Aviv erzählt wird:
„Ein optimistischer jüdischer Israeli lernt Arabisch, ein pessimistischer jüdischer Israeli lernt Englisch, ein realistischer jüdischer Israeli lernt schwimmen.“
Der August naht. Warum nicht zum Gaza-Strand hinfahren?



Ayman El Kayman, Vegetarier von der Gattung der Alligatoren, der sich den Kopf über Zulässiges  und Unzulässiges nicht zu zerbrechen braucht
Eine schöne Woche, trotz alledem!
Möge die Kraft des Geistes mit Euch sein
… und bis zur nächsten Woche!
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